Ich gehöre wahrscheinlich zu den Personen, die sich viele Gedanken machen hinsichtlich dessen was man kann und ob man gut genug für bestimmte Aufgaben ist. So stellte sich mir nach meinem Bachelorstudium und mit dem Erhalt der Zusage für ein Masterstudium an einer Top-Universität in England die Frage, ob ich es mit den Menschen dort aufnehmen könne. Hätte mir letztendlich auch der Mut gefehlt, dann wäre ich nicht nach England gegangen und mein Werdegang sähe heute wahrscheinlich ganz anders aus. Dabei besteht im Allgemeinen nicht nur die Schwierigkeit darin, sich selber etwas zuzutrauen, obwohl man die Fähigkeiten dazu hat. Da gibt es noch den anderen Extremfall: Sich seiner eigenen Inkompetenz nicht bewusst zu sein und stattdessen überzeugt zu sein, man besäße überdurchschnittliche Fähigkeiten. Dieses Phänomen, welches weitverbreitet ist, ist auch als der Dunning-Kruger-Effekt bekannt. Das Verheerende dieses Effektes ist der durch ihn entstehende Teufelskreis: Inkompetente Menschen neigen oft dazu, ihre Fähigkeiten zu überschätzen. Diese Inkompetenz wiederum macht es ihnen nicht möglich, ihre eigene Unfähigkeit zu erkennen. So wie Trump beispielsweise in Bezug auf einen Test, den er absolvierte, twitterte: „Sorry losers and haters, but my I.Q. is one of the highest”. Dass es sich dabei um einen Demenz- und nicht IQ-Test handelte, ist mittlerweile allgemein bekannt.

Dabei gilt es auch als häufiges Problem in vielen Organisationen, dass Mitarbeiter unterdurchschnittliche Arbeit leisten, einfach weil sie nicht wissen, dass sie besser sein können, beziehungsweise wissen, wie gute Performance tatsächlich auszusehen hat. Und gerade deshalb ist es so bedeutend, dass Defizite erkannt und angegangen werden. Und infolgedessen ist es so wichtig, dass wir und andere uns selber gut kennen und realistisch einzuschätzen wissen. Sowohl für die Personen, denen Trump zuzuordnen ist, als auch für die Personen, zu denen ich eher gehören würde, sollte die Selbsteinschätzung seiner Fähigkeit der Realität entsprechen, um das volle Potenzial einer Person ausschöpfen zu können und somit nachhaltig an der Entwicklung der Person zu arbeiten. Ob Trump sich mit seiner Ignoranz dieser Erkenntnis fügen würde, sei mal so dahingestellt. Dem ein oder anderen wird es jedoch helfen.

 

Mehr zum Thema: der Dunning-Kruger-Effekt

 


Über die Autorin:

Ann-Sophie Schafstall ist seit Mitte August 2020 als Assistentin der Geschäftsführung bei der LINC GmbH tätig und studierte vorher Kommunikationswissenschaften (Bachelor) und Management (Master). 


 

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.

*