Persönlichkeiten innerhalb eines Teams. Das Bild zeigt eine Projektplanung innerhalb des Teams.

Immer wieder kommen psychologische Studien zu dem Ergebnis, dass bestimmte Rollen in einem Team vergeben sein sollten, damit das Team langfristig erfolgreich arbeitet. Interessant dabei ist, dass besonders nützliche Rollen eher weniger naheliegend erscheinen und weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhalten als z.B. die Rolle des Teamleaders bzw. der Teamleaderin. Wer im Team diese Rollen einnimmt, hängt natürlich vor allem von der Persönlichkeitsstruktur der Teammitglieder ab. Es erscheint z.B. wenig erfolgversprechend, eine eher introvertierte Person in die Führungsrolle zu drängen, wenn die Anforderungen und Erwartungen, die an diese Rolle geknüpft sind, nicht zur Persönlichkeitsstruktur der Person passen (zu beobachten ist dies z.B. im Fußball bei Spielern wie Mesut Özil oder Lionel Messi). Solche Personen können dann aber häufig andere, ebenfalls wichtige Rollen im Team ausfüllen.

In diesem Artikel möchte ich Ihnen einige der zentralen Rollen vorstellen, die in einem Team zu dessen Erfolg beitragen können, aber oft eher übersehen werden. Zum besseren Verständnis erläutere ich außerdem auch noch welche Persönlichkeitsdimension (bezogen auf die BIG FIVE) für das Ausfüllen der entsprechenden Rolle besonders wichtig ist. Zur Erinnerung hier noch einmal das (bidimensionale) Modell der BIG FIVE:

Folgende Rollen helfen einem Team erfolgreich zu sein

    • Ruhepol – Introversion
      Dominante Führungspersönlichkeiten sind für ein Team nicht so essenziell wie häufig vermutet wird. Tatsächlich tragen auch introvertierte Teammitglieder, die die Rolle eines ruhenden Pols im Team übernehmen und sich nicht ständig in den Vordergrund drängen, einen großen Teil zum Erfolg des Teams bei. Dieser Rolle kommt u.a. in der sog. Storming-Phase – in der sich das Team findet – und in Krisensituationen eine sehr große Bedeutung zu. Wenn in diesen Situationen nur extravertierte Alpha-Tiere aufeinandertreffen, führt dies häufig zum Scheitern des Teams.

 

    • Troubleshooter*in – Flexibilität
      Hochgradig gewissenhafte Perfektionisten werden (sicherlich oft auch zu Recht) gerne in Teams gesehen. Allerdings stehen Teams häufig auch vor Herausforderungen, in denen Flexibilität, Spontanität und Improvisationstalent gefordert sind. Alles Attribute, über die stark gewissenhafte Teammitglieder häufig eher nicht verfügen. Daher hilft es, zumindest eine flexible Person im Team zu haben, die schnell auf unvorhergesehene Entwicklungen reagieren kann.

 

    • Umsetzer*in – Beständigkeit
      Sehr beliebt und teilweise verehrt sind auch visionäre Teammitglieder, die vor Ideen sprudeln. Was oft vergessen wird: Diese Ideen müssen auch umgesetzt werden. Und hier kommt das beständige Teammitglied ins Spiel, dass pragmatisch und beharrlich an der Realisierung einer zunächst theoretischen Idee arbeitet. Umsetzungsfähige Teammitglieder sind im Gegensatz zu den Visionär*innen auch an Details interessiert und halten sich an Vorgaben, ohne diese ständig in Frage zu stellen.

 

    • Glue Guy – Kooperation
      Harte Hunde, Motivator*innen und knallharte Verhandlungsprofis sind alles Rollen, die heutzutage in vielen Teams als Erfolgsgaranten angesehen werden. Völlig übersehen wird dabei häufig eine der wichtigsten Rollen überhaupt: die Person, die das Team mit guter Laune, Beziehungspflege und Teamspirit zusammenhält. Praktisch jede Studie zum Erfolg von Teams stellt die Bedeutung der Glue Guys heraus – ich werde an dieser Stelle nicht näher auf Lukas Podolskis Anteil am WM-Titel 2016 eingehen.

 

    • Devils Advocate – Sensibilität
      Der emotional stabile Fels in der Brandung ist natürlich hilfreich für ein Team. Aber auch die Personen im Team mit sehr feinen Antennen für Fehlentwicklungen, die sich fortlaufend fragen, ob die getroffene Entscheidung wirklich richtig ist, sind für ein Team sehr wichtig. Denn sie verhindern mit ihren unbequemen (und vielleicht sogar nervtötenden) Fragen ein Phänomen, dass vor allem erfolgreiche Gruppen scheitern lässt: den sog. Groupthink. So wird die Tendenz erfolgreicher Teams genannt, sich für unfehlbar zu halten und Informationen bezüglich Fehlentwicklungen zu ignorieren.

 

Als Teamleiter*in oder Führungskraft sollten Sie sich stets der Bedeutung der hier beschriebenen Rollen im Team bewusst sein und diese aktiv stärken, denn sie sind wichtig für das Team und haben trotzdem häufig keinen leichten Stand in der Gruppe.

 

Ihr Ronald Franke

 


Über den Autor:

Dr. Ronald Franke ist Geschäftsführer der LINC GmbH, promovierter Wirtschaftspsychologe und zertifizierter systemischer Coach. Als Berater und Trainer war er für Unternehmen aus den Bereichen Automotive, Pharma Maschinenbau und Handel tätig. Sein Wissen gibt er außerdem seit über 10 Jahren als Dozent an Hochschulen weiter (u. a. Leuphana Universität Lüneburg, FOM Hamburg).


 

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